Herzogenrath zeigt Flagge für Demokratie und Vielfalt

Mit einer kraftvollen und bunten Demonstration setzten am 7. September rund 500 Menschen in Herzogenrath ein deutliches Zeichen gegen rechte Hetze und Ausgrenzung. Unter dem Motto „Buntes Herzogenrath zeigt Flagge – Gemeinsam gegen Rechtsextremismus“ versammelten sich Bürgerinnen und Bürger, um gemeinsam für eine offene, solidarische und demokratische Stadtgesellschaft einzutreten.

Bereits auf dem Rathausplatz machten Vertreterinnen und Vertreter von Parteien, Kirchen, Vereinen und Initiativen deutlich, dass Demokratie, Meinungsfreiheit und Vielfalt Grundpfeiler unseres Zusammenlebens sind.

Von dort aus zog der Demonstrationszug, begleitet von der Polizei, friedlich durch die Innenstadt bis zum Ferdinand-Schmetz-Platz. Dort fand eine Abschlusskundgebung statt, die von Musik und persönlichen Beiträgen geprägt war. 16 Teilnehmende teilten ihre Gedanken und Gefühle zu den aktuellen Herausforderungen für unsere Demokratie – jeder Beitrag begann mit den Worten „Ich bin heute hier, weil…“ und verdeutlichte, wie vielfältig die Beweggründe und wie groß die gemeinsame Entschlossenheit sind, Haltung zu zeigen.

Redebeitrag von Mina Saric

Liebe Anwesende, 

ich spreche heute als junge Frau, die als Migrantin nach Deutschland gekommen ist und hier ihre Heimat gefunden hat. Ich studiere inzwischen und engagiere mich bei den Falken, einem Jugendverband, der Menschen zusammenbringt und sich für ein solidarisches Miteinander einsetzt. In diesem Land habe ich erfahren, wie bereichernd Vielfalt sein kann – aber auch, wie verletzend Ausgrenzung und Rassismus sind. 

Doch gerade jetzt mache ich mir Sorgen: Rechtsextremismus nimmt wieder zu. Die AfD – von deren Teilen wir wissen, dass sie klar rechtsextrem sind – gewinnt immer mehr Anhänger, und zwar sowohl unter jungen als auch älteren Menschen. Inzwischen würde ein erheblicher Teil der jungen Generation diese Partei wählen. Das darf uns nicht egal sein. Wir dürfen nicht zulassen, dass Hass und Hetze wieder salonfähig werden. 

Rechtsextreme versuchen, Ängste auszunutzen und einfache Schuldige zu präsentieren. Sie spalten unsere Gesellschaft in „wir“ und „die anderen“. Aber ich sage: Wir alle gehören zu diesem Land – egal, welche Herkunft, Hautfarbe oder Religion wir haben. Wir wissen aus der Geschichte, wohin Schweigen und Wegsehen führen. Deswegen müssen wir jetzt handeln. 

Mein Appell richtet sich an zwei Seiten: 

An die Politik: Bleiben Sie standhaft gegenüber Rechts. Keine Zusammenarbeit mit Extremisten, keine Zugeständnisse. Investieren Sie mehr in Bildung und Prävention, bekämpfen Sie Hasskriminalität und stärken Sie Projekte, die Menschen verbinden. 

Und an uns alle: Schaut nicht weg! Widersprecht rassistischen Sprüchen, zeigt Solidarität mit Betroffenen und lasst nicht zu, dass Ausgrenzung normal wird. Gerade wir junge Menschen tragen Verantwortung, weil es um unsere Zukunft geht. Rechtsextremismus ist keine Antwort auf die Probleme unserer Zeit. 

Lasst uns zusammenstehen für eine Gesellschaft ohne Angst und ohne Ausgrenzung. Das ist unsere Verantwortung – und unsere Hoffnung. 

Vielen Dank.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Udo Schroll und Alwin Nagel.

Herzogenrath hat gezeigt: Unsere Stadt steht zusammen – gegen Hass und Ausgrenzung, für Menschlichkeit und Demokratie.

Herkunft der Fotos: Teilnehmende